Январь 26

«Ein Nachtklaivier, gemietet»

Hanz nach Hause. «Ein Nachtklaivier, gemietet»
Ein Nachtklaivier, gemietet

Sigmund Freud drehte durch und erschoss sich, das allerdings ist eine neue Version seines Todes.

Er spielte nie in der Nacht, Tantele schlief früh ein. Der Flügel kühlte ab, von ihm, von der Hitze, von dieser unerträgliche Situation seines Herzens und Wesens. Die Tante bedeckte den Flügel in der Nacht mit einem schwarzen Schleier, stellte darauf eine Vase mit Vergissmeinnicht und verschwand wie ein ruhiges, lautloses Gespenst. Heute schielf er nicht ein, obwohl die Homeopathie gegen „denkt stets über Sex“ wirkte mild und nicht böse. Er wollte wieder — nach NN., auf Wechselpferden, auf Wagendächern, auf den Geleisen kriechend, aber sie rief ihn in der Nacht an und sagte ein unerträgliches Wort „Komm nicht!“. Ihn riess es nicht, die Nerven verstummten, er saß bloß da und dachte – ob es ernst sei oder sie nur wieder spinne. Der Flügel schwieg, die matten elfenbeinfarbenen Tasten saugten die Mondmilch förmlich ein, die Schwarzen glänzten wie Lichter auf einer Autobahn. Tantele wachte nicht auf. Niemand hörte die herrliche Musik, die er ja nie komponierte.

Am Morgen empfing ihr Telefon eineinhalb Stunden Schweigen, Husten, Rauchen am Balkon, Türquitschen, Hundebellen, kärgliche Tränen.

Bis zu diesem Tag dachte sie, er mache sich lustig, ihm etwas schien, etwas vorkam. Sie hörte nie solche Musik, sie hörte überhaupt nie Musik, weinte bei surrealistischen Chansons. Die Töne würden wie von ihrem Körper entlockt, sie zuckte zusammen, um die Verborgenheit und sogar die Göttlichkeit des Orgasmus zu bewahren.



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Опубликовано Январь 26, 2017 admin в категории "ПРОЗА

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